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Historie der Hofreitschule

Zum Schlossensemble von Bückeburg gehörten zu allen Zeiten Pferdestallungen. Dies hängt mit der unschätzbar wichtigen Bedeutung des Pferdes für den Menschen zusammen. 1621 wurde der heute noch existierende Marstall im Zuge umfangreicher Baumaßnahmen der Weserrenaissance erbaut und beherbergt seither ununterbrochen Pferde.

Erfahren Sie mehr über die bewegte Geschichte der Bückeburger Hofreitschule.

Die Geschichte der Fürstlichen Hofreitschule

Das Schloss geht auf eine Wasserburg von 1304 zurück. Die Wirtschaftsgebäude für die Reit-, Kriegs- und Arbeitspferde aus der Zeit bis 1609 sind leider nicht erhalten geblieben. Das erste überlieferte Zeugnis von Pferden auf Schloss Bückeburg gibt ein Brief aus dem Jahr 1598. Unter Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg entstanden zwischen 1609 und 1622 der Marstall und ein Ballhaus, welches den zeitgenössischen Ballspielen gewidmet war. Im Jahr 1616 besuchte der Engländer John Taylor die Bückeburger Residenz und berichtete in seinem Tagebuch: „Nachdem ich durch das äussere Tor getreten war, zeigte man mir die Stallungen; ich sah dort ausgezeichnete und treffliche Pferde, darunter eines, das war von Natur aus gefleckt wie ein Leopard, und ich sah ihm an, dass es das Pferd eines grossen Fürsten war und nicht eines gewöhnlichen Mannes.“

1720 besaß Graf Friedrich Christian 89 Hengste im Marstall. Mit der Spanischen Hofreitschule in Wien bestand reger Austausch: Etliche Bückeburger Deckhengste wurden nach Wien zur Ausbildung gegeben und flossen zum Teil in die Zucht der Lipizzaner ein. Graf Albrecht Wolfgang veranlasste 1730 eine „Richtlinie für die Landespferdezucht“, von der er sich die Qualitätssicherung der Bückeburger Rasse versprach. Als Graf Wilhelm 1764 nach siegreichem Feldzug gegen Spanien heimkehrte, brachte er auch die Geschenke des portugiesischen Königs für die Rettung der Unabhängigkeit Portugals mit, darunter „mehrere der prächtigsten Pferde“. Er ließ außerdem „lauter Andalusier oder Barben in Spanien und auf der Küste von Afrika ankaufen“. Dieser Graf war es, der seine zeitweise 180 Mann starke Leibgarde ausschließlich mit schwarzen Ibererhengsten beritten machte. Im Siebenjährigen Krieg nannten die gegnerischen Franzosen die Truppe voller Grauen die „Schwarzen Teufel von Bückeburg“. Die Regentin Fürstin Juliane veranlasste 1798 den Umbau dieses Ballhauses zum Reithaus.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein erfreuten sich die Pferde aus Bückeburger Zucht internationaler Beliebtheit. Und bis Mitte des 20. Jahrhunderts standen im Marstall die Leib- und Wagenpferde der Fürstenfamilie. Fürst Philipp Ernst übergab in den 1960er Jahren Marstall und Reithaus dem Bückeburger Reitverein, welcher sich 2003 auflöste. Unter Fürst Alexander entstand 2004 das Lebendige Pferdemuseum „Fürstliche Hofreitschule“, eine Privatunternehmung von Wolfgang und Christin Krischke.

Hofreitschulen einst

Seit die frühen europäischen Monarchen um etwa 1500 feste Residenzen bezogen und nicht länger als „Wanderkönige“ durch ihren Einflussbereich zogen, entstanden in rascher Folge Hauptstädte, Adelshöfe und Hofreitschulen. Der adlige Nachwuchs erlernte die vielen Fertigkeiten seines Standes zumeist daheim in der elterlichen Residenz. Zu den bestbezahlten Lehrern bei Hofe gehörten die Reitinstruktoren. Denn diese Reitmeister erwarben ihr Wissen in mitunter über 12-jährigem Studium an einer renommierten Reitakademie. Der italienische Stadtstaat Neapel war ein Vorreiter des Reitakademiewesens, entstand doch dort 1536 die erste dieser Fakultäten, weshalb Neapel als die Wiege der Renaissance–Reitliteratur und der Alten Italienischen Schule der Reitkunst gilt. Wenig später hatte jede europäische Stadt, die etwas auf sich hielt, eine eigene Reitakademie und an allen Adelshöfen, die es sich irgendwie leisten konnten, war eine Hofreitschule zu finden. Diese Einrichtungen entwickelten sich in den kommenden Jahrhunderten zu den wichtigsten Forschungszentren rund ums Pferd, denn Pferde und Reiterei waren die entscheidenden Faktoren der damaligen Kriegsführung. Über die Epochen der Renaissance, des Barock und des Rokoko hinweg hatte die Alte Italienische Reitkunst Bestand, bis sich die Kriegsführung grundlegend änderte: Präzise Schusswaffen und immer besser gedrillte Infanterie setzten der Nahkampfreiterei ein Ende.
 
Alleine in den letzten zwei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erschütterten über 30 große Schlachten Europa und machten fast die gesamte Reiterelite der Kriegsparteien zunichte. Gleichzeitig fegte die Französische Revolution die Privilegien des Adels hinweg und fast alle Hofreitschulen wurden geschlossen oder vernichtet. Doch auch die neue Art des Krieges bedurfte großer Bestände an Pferden, welche jedoch fast ausschließlich zum Transport von Mann und Kanone dienten und in weniger als einem halben Jahr ausgebildet und für den Dienst tauglich gemacht wurden.

Als schließlich Ende des 19. Jahrhunderts das Maschinenzeitalter anbrach und das Pferd in seinen typischen Einsatzgebieten nach und nach ersetzt wurde, geriet das Wissen um Pferde weiträumig in Vergessenheit. In den beiden Weltkriegen kamen über 20 Millionen Pferde ums Leben, von den fähigsten der damaligen Reiter ganz zu schweigen. Einige wenige Überlebende machten in den 1950er Jahren das Reiten zum Breitensport und zur olympischen Disziplin.

Hofreitschulen heute

Heute gibt es in Europa fünf Hofreitschulen. Die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg ist die einzige Hofreitschule Deutschlands. Die anderen vier Hofreitschulen befinden sich in Österreich, Frankreich, Spanien und Portugal.

 


Cadre Noir

Aus einer weiteren Hofreitschule war schon 1814 eine modernere Militärakademie gemacht worden, welche heute unter dem Namen Cadre Noir zu den Hofreitschule gezählt wird.

Ort: Saumur, Frankreich
Ehem. Adelshof: Königshaus Anjou
Gründungsdatum: 1814
Öffentlich gemacht:1972
Pferderasse: Selle Français
Reitepoche: 19. Jahrhundert
Webseite: www.ifce.fr/en/cadre-noir/the-cadre-noir/


Escola de Arte Equestre

Und in den 1970er Jahren gründeten parallel ein spanischer und ein portugiesischer Stierkämpfer zunächst private Reitschulen, welche im Laufe der Zeit vom Staat übernommen und zu touristisch genutzten Hofreitschulen umfunktioniert wurden.

Ort: Lissabon, Portugal
Ehem. Adelshof: –
Gründungsdatum: 1979
Öffentlich gemacht:1996 und 2015
Pferderasse: Alter Real
Reitepoche: 18. Jahrhundert
Webseite: https://www.parquesdesintra.pt/en/parks-monuments/portuguese-school-of-equestrian-art/

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