Die Unternehmensphilosophie

Hier gibt es mehr Hintergründe zur Hofreitschule – Fragen die immer wieder gestellt werden, werden hier ausführlich beantwortet. Falls Sie Journalist sind und einen redaktionellen Beitrag planen, melden Sie sich doch gern auch persönlich bei uns! Ansonsten viel Spaß beim Schmökern!

Wo kommt ihr her?

Die Fürstliche Hofreitschule ist der Lebenstraum von Wolfgang, Christin und Diana Krischke. Ungefähr ein Jahrzehnt waren sie in ganz Europa auf der Suche nach dem perfekten Ort für ein Lebendiges Pferdemuseum.
Anfang der 1990er Jahre von den ersten Berberpferden auf die Idee gebracht, historische Reitkunst zu erforschen, wagten sie sich immer tiefer vor in die Geschichte der Reiterei. Mit der Showtruppe “Die Tjoster” machten sich Krischkes einen Namen für exzellent recherchierte Vorführungen. Aufgrund der Flexibilität der Reiter und Pferde waren das “Ritte durch die Jahrhunderte”: von der nordafrikanischen Fantasia bis zum dramatischen Ritterturnier, von Renaissance bis Rokkoko. Leider ist das Reisen mit den immer wertvoller gewordenen Pferden, dem teuren und teilweise nicht zu ersetzenden Equipment sehr anstrengend und risikoreich und so suchten Krischkes nach einem Ambiente, wo man die Geschichte den Menschen näherbringen kann. So entstand das “Lebendige Pferdemuseum”. Dass das Ganze gleich an einem wirklich geschichtsträchtigem Ort seine Verwirklichung finden sollte, ist vielen vielen Leuten und auch einigen Zufällen, sowie der Vorstellungskraft von SHD Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe zu verdanken.

Die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg wurde wieder zum Leben erweckt!

In den historischen Marställen begann alles im kleinen Kreis, mit einem großen Traum und einigem finanziellen Aufwand mit Hilfe von vielen fleissigen Helfern: Ein kleiner Stalltrakt für die Pferde, ein weiterer für ein kleines Museum und eine Reitbahn von 12×25m wurden in Tag- und Nachtschichten entrümpelt, gestrichen, umgebaut, und schön gemacht bis zur Eröffnung am 7. Mai 2004.

Wie kommt man darauf, experimentelle Archäologie zum Beruf zu machen?

Wolfgang Krischke ist seit 30 Jahren professioneller Pferdetrainer. Vorher hat er sich auf diversen Lokalturnieren mit seiner Hannoveranerstute einen interessanten Ruf erworben: Jeder kannte das Pferd, welches, egal über welche Hürde, immer aus dem Parcour sprang! Als er die Nase voll hatte vom Kasernenbefehlston des örtlichen Reitlehrers und den teilweise unsinnigen Anweisungen, die ihm mit seinem Problem nicht helfen konnten, gab es gerade einige wenige “komische Käuze”, die das Westernreiten aus Amerika mitgebracht hatten. Diesen Leuten “mit Cowboyhut” schloss er sich an, kaufte sich ein kleines polnisches Warmblut, taufte es “Bronco” und versuchte mit Hut und Lasso die Ponies und Kühe der Nachbarn zu fangen. Schnell war Blut geleckt und eine Karriere im Westernreiten begann, die fast mit einer Auswanderung nach Kanada, wohl aber mit einem Europameistertiel im Cutting endete. Ja genau, endete – denn Wolfgang Krischke hat sich geschworen, nie wieder auf einem Turnier zu starten! Pferd und Reiter erlitten nach der Europameisterschaft einen Zusammenbruch, der für beide sehr lang und schmerzhaft war. Daraufhin verlagerte der junge Trainer seinen Schwerpunkt mehr auf das Horsemanship und half vielen Menschen, die mit ihrer konventionellen Reitweise bei ihren Pferden nicht weiterkamen zu mehr Verständnis für ihre Pferde. Nach und nach wurde die Altkalifornische Reiterei aus dem modernen Westernsport ausgegliedert und so fand die aufgerichtete Leichtigkeit des Westernreitens kaum noch Beachtung in Deutschland. Wolfgang Krischke lernte nun auch Christin kennen und lieben und die beiden fanden Anfang der 1990er Jahre einen völlig neuen Zugang zum Pferd, nämlich nicht auf Wettkampf und Sport bezogen, sondern auf Freizeitvergnügen und Partnerschaft mit dem Pferd.
Mit der Entdeckung der nordafrikanischen Berberpferde bekam das Ganze eine weitere Facette, nämlich das Interesse an der Geschichte wuchs und wuchs. Und damit war der Grundstein für den Weg zur Hofreitschule gelegt.

Was ist denn so anders an historischem Reiten?

Eine ganze Menge unterscheidet die heutige Reiterei von der historischen Reitkunst:
Allein der Zweck, also warum man sich überhaupt auf ein Pferd begibt, ist heute mit “Freizeitvergnügen” etwas völlig Neuartiges, denn durch die ganze Geschichte hinweg gab es niemanden, der ein Pferd ausschließlich zum Spaß hielt, durchfütterte und sich auf seinen Rücken begab. Andersrum wäre die Geschichte der Menschheit ohne das Pferd komplett anders verlaufen. Es hätte keine Eroberungen von fremden Landstücken gegeben, denn man hätte sich viel langsamer von A nach B bewegen müssen. Es hätte keine schnellen Kuriere und Streitwagen gegeben, mit denen man ein Riesenreich zusammenhalten konnte. Kurzum, das Pferd hat den Menschen dazu gebracht, was er heute ist, ein mobiles und vernetzes Wesen. Pferde waren immer also Kriegspartner der Menschen, von der Antike an, übers Mittelalter bis ins letzte Jahrhundert meist genutzt als “Besser-Stärker-Wendiger-Mobiler-Macher” im Kampf Mann gegen Mann. Somit ritt der Adel (jemand anders konnte sich kaum seinen eigenen Lebensunterhalt, geschweige denn den für ein Pferd leisten) von Kindesbeinen an und lernte in den Hofreitschulen alles über die Tiere, die ihm im Krieg das Leben retten sollten. Es ging im Gegensatz zu heute nicht darum, wie man oben drauf bleibt, sondern wieviel man besser durch sein Pferd wird. Diese Philosophie erreichte ihre absolute Blüte mit der Reitkunst des Barock. 250 Jahre geronnene Weisheit, Wissen rund um das Lebewesen Pferd, wie es danach nie wieder zutage kam. Damals wurden Pferde nicht nur als Lebensretter, als Prestigeobjekte und als Waffen gebraucht, sondern waren sehr teure Freunde, denen man alles für ein langes und gesundes Leben möglich machte. Nicht selten wurden die Pferde nach ihrer “Verrentung” im Alter von 25 bis 27 Jahren noch zur Zucht eingesetzt und hatten noch viele Jahre zu Leben. Berühmtestes Beispiel ist das Pferd “Condé” von Friedrich dem Großen, der 38 Jahre alt wurde – ohne Impfungen, ohne Röntgen und ohne die neuesten Entwicklungen der Industrie. Heute ist das Durchschnittsabgangsalter eines deutschen Pferdes 8 Jahre, die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Turnierpferds 3,4 Jahre. Genau deshalb soll in der Hofreitschule nicht der menschliche Ehrgeiz über das Pferd bestimmen, sondern das Wissen der alten Meister, die ohne Zeitdruck Pferde zu absoluten Höchstleistungen brachten – solche, die heute nicht mehr erreicht werden.

Verträgt sich das mit anderen Reitweisen?

Wenn ich weiß, woher ich komme, kann ich mir den Weg aussuchen, wohin ich gehe!
Die Reitweisen der Welt sind Weiterentwicklungen der historischen Reiterei. Grundlage von allen sollte das Wohlergehen und die Gesunderhaltung des Pferdes sein, sei es bei Distanzritten oder beim Überwinden von Hindernissen, beim Hüten von Kühen oder beim Kraxeln durch die Berge. Deshalb kann man die anatomischen und biomechanischen Grundlagen in keiner Reitweise außer acht lassen und muss sich damit eingehend befassen, wenn man sein Pferd länger gesund erhalten möchte. Auch die Psyche und das Verhalten der Pferde hat sich durch die Domestikation nur unwesentlich verändert und auch der natürlichen Ethologie sollte man Rechnung tragen, wenn man ein Pferd hält und reitet. Somit ist die Basis aller Reiterei gleich. Letztendlich unterscheidet sich der Zweck der Reiterei voneinander – sprich: brauche ich ein Pferd, welches keinerlei Regung zeigt, während ich ein Kalb verarzte oder möchte ich ein Pferd haben, welches seine Kräfte für eine lange Strecke beim Wanderreiten selbst einteilt und schont? Hab ich gern einen lebenslustigen Baletttänzer, der eben nur unter bestimmten Bedingungen seine Höchstleistung vollbringen kann oder muss das Pferd, egal in welcher Lebenslage mit Menschen mit Behinderung arbeiten können? Es gibt viele, viele Reitweisen für die spezielle Pferde gezüchtet wurden, die mit diesem jeweiligen Zweck am Glücklichsten sind. Daher sind wir in der Hofreitschule dafür, ein gewisses Grundmaß an Biomechanik und körperlich wohltuender Arbeit jedem Pferd angedeihen zu lassen, aber die Spitzenleistungen auch den Spitzenpferden in ihrer Kategorie zu überlassen (und das sind immerhin fast 2% in jeder Rasse und Reitweise!). Wir sind immer sehr offen, anderen Reitweisen gegenüber und denken, dass man überall etwas lernen kann – denn “der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann” (Francis Picabia)…