Die Schulhengste der Fürstlichen Hofreitschule

Das sind die Schulhengste der Fürstlichen Hofreitschule. Jeder einzelne ist ein seltenes Exemplar einer barocken Reitkunstpferderasse, die es zu erhalten gilt. Und natürlich ist auch jeder von ihnen eine fantastische Persönlichkeit, die hier kurz vorgestellt werden soll!

 

Raisulih el Hadi

Berberpferd, gekört mit Bestnote, Prämienklasse 1, Weltchampion 2005, *1992
Züchterin: Heide Graf, Menslage

Raisulih ist das verdiensteste Pferd in der Hofreitschule. Er war ein Wunschkind aus den beiden, von Krischkes importierten, algerischen Berberpferden Jihal und Islaka. Er ist ein echter Allrounder und einige Kenner der Szene sagen, er sei “das letzte echte Kriegspferd der Welt” – und soviel ist sicher, die Ausbildung für einen Kämpfer und Lebensretter zu vier Hufen hat Raisulih mit Bravour bestanden und widmet sich jetzt seinem Dasein als Professor. Aber nicht nur das Kämpfen, auch die höchsten Lektionen der Reitkunst (Mezair reculé, Langer Zügel, Kapriole unter dem Sattel…) und Filmtricks (Wiehern auf Kommando, auf Schuss hinwerfen…) stehen im Repertoire des imposanten Hengstes.

Der “Grand Seigneur” der Hofreitschule!

Das Berberpferd ist eine vom Aussterben bedrohte Rasse, welche in zwar in Nordafrika zuhause ist, aber schon seit der Antike in ganz Europa gerühmt wurde als Kriegspferde par excellence. Die Römer verbreiteten sie in ihrem Territorium und noch bis zum Ende des Barock waren diese Pferde wegen ihrer Menschenbezogenheit, ihres Galopptalents und ihres Mutes die wichtigsten Kriegspferde in Europa. Sie gingen in zahllose Zuchten ein.

 

Ulysses

Lusitanohengst, Perlinofarbe, *2001 in Portugal
Züchter: José Manoel Correia vom Gestüt Monte das Mós in Canha.

Ulysses ist “verstörend schön”, wie seine Bereiterin immer sagt – durch seine blauen Augen schaut er extrem menschlich und man kann wirklich sagen, dass er etwas ganz Besonderes ist! Der schöne Blauauge ist ein außergewöhnlich barocker Typ und hat zudem eine sehr seltene Farbe – er ist ein Perlino, ein braunes Pferd mit zwei Aufhellgenen. Das was am normalen Brauen schwarz wäre (Mähne, Schweif, Beine) ist leicht orange, das rote Kurzhaar ist fast rosa, weil die durchgängig rosa Haut durch die weißen Haare durchschimmert. Er ist so hell geboren und nicht dunkel wie ein Schimmel, der erst mit der Zeit aufgehellt. Allerdings ist er kein Albino, denn diese gibt es bei Pferden nicht.

Ulysses ist ein „pferdgewordener Mensch“, er ruft seine Reiterin meist schon, lange bevor man sie zu sehen bekommt mit einem ganz besonders hellen Wiehern – er spricht quasi ganze Sätze mit seiner Bezugsperson.

 

Bonmot du Roi

Hispanischer Genete *1991 in Spanien
Züchter: Yeguada Martinez Boloix, Córdoba

Bonmot ist ein echter Baletttänzer – so wie früher die Geneten die Königspferde waren, so vereint Bonmot das Beste aus Andalusier mit seinen schönen Gängen und aus Berber mit seiner Menschenbezogenheit.

Bonmot ist in der Hofreitschule von Anfang an dabei und hat schon vielen Eleven die angewandte Reitkunst sowie das Reiten im Damensattel beigebracht. Bonmot ist ein echter Professor der Reitkunst. Mit 23 Jahren gehört er aber noch lange nicht „zum alten Eisen“, sondern ist in der Blüte seines Könnens. Er kann nun sein, über lange Zeit erlerntes Wissen, weitergeben auch an unerfahrene Reiter, lernt aber trotzdem jeden Tag gern etwas Neues. Er ist ein extrem menschenbezogenes Pferd: seine Artgenossen interessieren ihn nie besonders – viel wichtiger ist, was „sein Mensch“ macht und wie man mit anderen Menschen seinen Spaß haben kann: Mit seinen großen schwarzen Augen und einem schief gelegten, hübschen Köpfchen bekommt er einfach aus jeder Tasche ein Leckerli.
Geneten oder Genetten waren im Barock sehr beliebte Reitpferde, die meist aus Berbern und Iberern, manchmal aber auch aus Kreuzungen mit hiesigen Pferderassen entstanden. Für seine Bereiterin ist er DAS Pferd für Sondereinsätze, z. B. für Fotoshootings, Filmeinsätze oder besondere Showeinlagen wie Fechten im Damensattel, Reiten mit Zügeln am Gürtel usw..

 

Boxter aus der Schützenden Hand

Knabstrupperhengst, Prämienhengst, Körsieger ZFDP, *2000 in Werpeloh im Emsland
Züchter: Heinz Hackmann

Boxter ist für seine Rasse ein Spitzenvererber, er ist Körsieger und Prämienhengst, Vater vieler, vieler gepunkteter Rassevertreter und ein wahrer Menschenfreund dazu. Er ist das zuverlässigste Damensattelpferd der Hofreitschule, liebt aber auch lange und flotte Ausritte und tut einfach alles, um seinem Menschen zu gefallen.
Knabstrupper, am ehesten bekannt als „Pippi Langstrumpfpferde“, sind die Nachfahren der gepunkteten Frederiksborger Dänemarks. Leider gibt es nur noch sehr wenige reinblütige Exemplare, und so betreibt der Züchter Heinz Hackmann im Emsland mit ca. 100 Pferden die größte Erhaltungszucht dieser Originalknabstrupper weltweit. Die Hofreitschule beherbergt 4 der besonderen Originalknabstrupper in ihren Marställen, allesamt sehr freundliche, gut gelaunte Herrschaften, die ihrem Menschen immer nur Freude bereiten wollen!

 

Jack Sparrow

Shetlandpony, *2003

CAPTAIN Jack Sparrow ist das Maskottchen der Hofreitschule und begleitet die anderen Schulspringer auf Schritt und Tritt – er selbst kann ihnen nämlich noch viel beibringen. Jack ist ein echter Filou, der das Rampenlicht liebt und alles dafür tut, noch einen Applaus und ein Leckerchen zu bekommen, auch wenn er noch gar nicht dran ist. Das „große Pferd in kleinem Format“ ist ein sehr großherziges Pony, welches alle Lektionen im Spiel gelernt hat und sich nebenbei in der Kutsche fit hält – denn so ein CAPTAIN muss ja ein wenig auf die schlanke Linie achten.

 

Marcos

Pura Raza Espanola (Andalusierhengst), * 2004 in Spanien

Marcos ist ein ausgezeichnetes, gekörtes Exemplar seiner Rasse, leider mit einer schwierigen Vergangenheit. Umso schöner ist es, dass seine Bereiterin sein Talent und seine tolle Persönlichkeit unter einem harten Kern entdeckte und er mittlerweile selbstbewusst und voller Zuversicht in die Zukunft schaut. Er wird gern als Damensattelpferd eingesetzt und macht auch eine hervorragende Figur am „Langen Zügel“.

 

Moravita´s Bariton

Frederiksborgerhengst, *2006 in den Niederlanden
Züchter: Gestüt Moravita, Coevorden

Bariton ist das Pferd mit dem längsten Pedigree der Welt. Bereits im 16. Jahrhundert hat man in Dänemark angefangen, die Abstammung der dort gezüchteten Pferde aufzuschreiben und bis in diese Zeit kann man Baritons Vorfahren zurückverfolgen. Es gibt nur noch sehr wenige reine Exemplare der Rasse und noch weniger sind so schön getypt wie er, denn nach der Französischen Revolution sind viele barocke Reitkunstpferderassen umgezüchtet worden, vom Reitkunst- zum Campagnepferd. Das kann man in etwa so sehen wie einen Baletttänzer und einen Marathonläufer. Bariton wird ein sehr würdiger Vererber seiner Rasse werden, wenn er mal groß und stark ist. Bis dahin ist darf er seine Grundschule in Bückeburg absolvieren und natürlich auch seine “Teenagerjahre” entsprechend verleben.

 
 

Maestoso Amata

Lipizzanerhengst, *2000 in Bad Kissingen
Züchterin: Baronin Stephanie von Reichenau

Amata ist ein hochintelligenter Zeitgenosse, der die Menschen versteht wie kein Anderer. Seine Vorfahren sind durch die reine Piberzucht (aus Piber kommen die Lipizzaner für die Spanische Reitschule in Wien) seit Jahrhunderten ausschließlich auf Reitkunsteigenschaften selektiert worden und damit konnte Amata die Lektionen der Hohen Schule bereits im Kindesalter auf der Weide. So zeigte er auch sein Talent für die Schulen über der Erde schon von Anfang an – er brauchte den Boden eigentlich nur, um ab und zu wieder die Schwerkraft zu spüren. Amata wird meist als Kaprioleur vorgestellt und weiß sich dabei immer 100% in Szene zu setzen. Dennoch ist er auch ein absolutes Hochtalent unter dem Sattel und bringt mit Stolz seiner Elevin alles bei, was sie für die Reitkunst braucht.

 
 

Beryll aus der Schützenden Hand

Knabstrupperhengst, *2002 in Werpeloh im Emsland
Züchter: Heinz Hackmann

Beryll ist der Schulspringer der Hofreitschule mit den schönsten und längsten Pesaden – und manchmal ein echter Clown, der gern lustigen Schabernack treibt. Dennoch weiß er immer, wann es drauf ankommt und er seine hervorragenden Levaden stehen soll oder in den Schulen über der Erde glänzen kann. Trotzdem ist er einer der zuverlässigsten Lehrpferde für die Eleven der Hofreitschule und ein echter Kumpel für seinen Bereiter. Dieser Hengst wurde zunächst am Langen Zügel ausgebildet und erst danach angeritten, was ihm sehr gut bekommen ist, so hatte er unter dem Sattel nur noch sein Gleichgewicht finden müssen, denn die Sprache des Menschen verstand er ja bereits.

 
 

Celeste

Bückeburger (Genetenhengst), *2009 in Bückeburg
Züchter: Wolfgang Krischke

Celeste ist das Nesthäkchen der Hofreitschule. Er wurde mit vier Jahren in die Arbeit genommen,pausierte zwischendurch ein bißchen mit seinen Kumpels auf der Weide. Auch wenn er schon wirklich erwachsen aussieht, ist er ein richtiger Teenie. Er wird auf dem Bosal angeritten, da er ja, wie ein Mensch auch, die Milchzähne wechselt. Er wird hoffentlich in die Fußstapfen seines Vaters Odeceixe treten und mit seiner Anmut und Grazie später einmal das Publikum verzaubern.

 

Duende

Pura Raza Espanola, *2005 in Spanien

Duende ist seit Juni 2012 in der Hofreitschule und kam völlig ungeritten nach Deutschland. Er war höchstwahrscheinlich ein imposantes Fahrpferd in Spanien, wovon auch eine dicke Narbe an der Schulter zeugt. Dennoch hat er absolutes Vertrauen zum Menschen und sucht immer Hilfe bei seiner Bezugsperson, der Elevin Dorothea, die er sich selbst ausgesucht hat. Der Hofreitmeister hat dieses Pferd ebenfalls gebisslos und als Experiment in der alten kalifornischen Reitweise angeritten, die ja im 18. Jahrhundert in Amerika geritten wurde.
In dieser Art der Reiterei wurden die europäischen Barockpferde die zuvor nach Amerika gebracht wurden für die Arbeit mit Rindern eingesetzt. Sie liefen im Gegensatz zur heutigen Westernreiterei mit Aufrichtung und teilweise auch noch in gymnastizierenden Lektionen. Genau diese Schulung erforscht Wolfgang Krischke mit diesem wunderschönen, sehr talentierten Pferd. Elevin Dorothea stellt das Pferd wunderschön in den Vorführungen im Damensattel und in der angewandten Reitkunst vor.

 

Und viele mehr…

Natürlich gibt es in der Hofreitschule noch mehr Pferde: Die Fohlen auf der Weide, die Pferde der Eleven und vielleicht das ein oder andere “Experiment”.
So sind natürlich auch “Choco”, Biennacido, Citano, Brioso und Conversano Torysa Teil der Hofreitschule, obwohl sie nicht regelmäßig in den Vorführungen zu sehen sind.